Tim Dinter – Lästermaul und Wohlstandskind vom

Tim Dinter – Lästermaul und Wohlstandskind

Das neue Buch von Tim DinterLästermaul und Wohlstandskind – Neue Berliner Geschichten“ ist eine Sammlung der Comic-Kolumnen, die Dinter alle vier Wochen in der Sonntagsausgabe des Tagesspiegel veröffentlicht.

In diesen erzählt er in kurzen Episoden aus dem Berliner Großstadtleben eines Mannes und einer Frau, Mitte bis Ende Dreißig und Single und darüber was diese bewegt und umtreibt. Dabei dient Berlin gelegentlich als Thema und oft genug als Kulisse.

Ich beginne meine Rezension mit dem Fazit: Ich mag das Buch sehr gerne und würde es wieder kaufen.

Das Buch

Auch, wenn man das nicht als Maßstab nehmen soll, sprechen wir zuerst einmal über das Äußere des Buches. Das ist ganz ausgezeichnet. Im Querformat angelegt, liegt das Buch gut in der Hand und hat eine tolle Haptik. Der Deckel ist aus ordentlich festem Karton und der Umschlag sauber drumherum kaschiert.

Auch die restlichen äußeren Werte sind einwandfrei: Das Papier des Buchblocks hat eine Naturoberfläche und schönes Volumen und weil ich da ein wenig Nerd bin: Es kling toll, wenn man es umblättert. Der Druck ist sauber und anstandslos, die Farben stehen toll auf dem leicht cremefarbenen Material. Ja, es macht Spaß, dieses Buch in die Hand zu nehmen und zu „benutzen“. Da hat der avant-verlag, in dem „Lästermaul und Wohlstandskind“ erschienen ist großartige Arbeit geleistet.

Die Comics

Im Tagesspiegel noch quadratisch angelegt, im Web dann unschön zerstückelt und mies komprimiert, sind die Panels der Geschichten im Buch auf Doppelseiten umgebaut. Das ist eine formelle Sache, die im Wesentlichen nichts zur Sache tut und den Comics in keinem Fall schadet.

Illustration „Rosenthaler“ von Tim Dinter

Liest man sich durch die Comics, die in kurzen, doppelseitigen Episoden von eben den zwei Menschen und ihrem Leben in Berlin erzählen, wird einem bald deutlich, dass Tim Dinter in erster Linie Illustrator und Zeichner und erst in zweiter Hinsicht Autor ist. Oh ja, ich liebe seinen Zeichenstil seit langem, vor allem wie er urbane Landschaften in der Reduktion erfasst und mit wenigen Farben die Impression des gesehenen einfängt – rechts ein Beispiel von außerhalb des Buches. Das mochte ich schon lange, bevor ich die ersten „Lästermaul und Wohlstandskind“-Strips gelesen hatte. Oft genug erzählen seine Bilder – außerhalb der Comic-Reihe – alleine für sich schon Geschichten und bedürfen keiner weiteren Wörter.

In „Lästermaul und Wohlstandskind“ verbindet er diesen Zeichenstil nun sehr gekonnt mit den Geschichten, die sein Alter Ego und dessen Begleiterin in ihrem Berlin und ihrem Single-Mittdreißiger-Dasein erleben. Die Texte sind dabei – wenn man denn überhaupt irgendetwas an dem Buch aussetzen möchte – noch die schwächste Stärke. So kommt man gelegentlich immer mal wieder an den Punkt, dass man denkt: Jetzt hört mal auf zu motzen, ihr Beiden und würde sich manchesmal ein wenig mehr Charme, Zurückhaltung oder Gelassenheit wünschen. Das ist jedoch eventuell auch nur dem Umstand geschuldet, dass man hier fünfzig mal geballte Ladung „Lästermaul und Wohlstandskind“ aufgetischt bekommt. Verständlich also, erscheint der Strip doch sonst nur alle vier Wochen im Tagesspiegel, wo in den übrigen drei Wochen Tim Dinters Kollegen Flix, Mawil und Arne Bellstorf ihre ebenso sehenswerten Arbeiten präsentieren.

Die Kombination aus Bild und Text ist Dinters Stärke

Was ich wirklich an dem Buch mag und was es zu einem Schmuckstück macht, ist dann die Kombination, die sich aus dem Zeichenstil und den Texten ergibt. Werden in der Comic-Szene immer mal wieder Künstler abgefeiert, die durch wilden, expressiven Strich oder avantgardistische Ausfälle auffallen, die jedweden Text erschlagen, so ist es gerade Dinters unaufgeregter und vor allem handwerklich perfekter Stil, der den Texten den Raum gibt den diese benötigen, diese aber gleichzeitig nuanciert ergänzt und damit eine unauflösbare Symbiose der beiden ermöglicht, die notwendig ist, um in die Welt von „Lästermaul und Wohlstandskind“ abtauchen zu können.

Kann man kaufen

Ich habe „Lästermaul und Wohlstandskind“ bei Modern Graphics in Kreuzberg entdeckt und fand den Preis von 24,95 Euro  für ein so toll verarbeitetes Buch ein treffendes Argument, es einfach mal mitzunehmen. Wer das Buch ebenfalls bei „Modern Graphics“ kaufen will, dem sei gesagt, dass Dinter es dort am 17. Dezember 2011 ab 15 Uhr signiert.

Wer es nicht in die Oranienstraße schafft, kann „Lästermaul und Wohlstandskind“ natürlich auch bei Amazon kaufen.

Ich würds tun.

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