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Col-Erase-Stifte zum Zeichnen von Comics

21.01.2011

Es hat wohl weniges gegeben, dass meine Art Comics zu Zeichnen so verändert hat, wie Col-Erase-Farbstifte. Habe ich früher klassischerweise alle Vorzeichnungen mit Bleistiften gemacht, so nutze ich seit dem Frühjahr 2010 fast ausschließlich Col-Erase-Farbstifte.

In diesem Beitrag erkläre ich, was es mit diesen Stiften auf sich hat, weshalb ich sie benutze und wo man die Col-Erase bekommt.

Update: Mittlerweile nutze ich die Alternative “Rough2Pencil” von Toonbase.

 

Was sind Col-Erase-Farbstifte?

Col-Erase-Farbstifte sehen erst einmal aus wie übliche „Buntstifte“. Sie unterscheiden sich jedoch in ihrem Strich. Sind Bunstifte auf das Kolorieren von Flächen ausgelegt und damit recht weich im Abrieb um möglichst viel Farbe aufs Papier zu kriegen, ähneln Col-Erase-Stifte in der Nutzung eher Bleistiften und eignen sich somit mehr zum Skizzieren und Vorzeichnen. In der Härte liegen die Stifte im Bereich von HB bis B-Bleistiften.

Ein weiterer Unterschied zu Buntstiften liegt in der Radierbarkeit. Col-Erase-Stifte lassen sich mit dem an ihrem Ende angebrachten Radiergummis ganz wunderbar radieren.

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Col-Erase-Stifte zum Zeichnen von Comics

Ihre Blütezeit hatten Col-Erase-Stifte als bevorzugtes Werkzeug von Comic-Zeichnern in der Zeit, bevor es Computer und die damit verbundenen Möglichkeiten von Retusche- und Nachbearbeitung gab. Denn Col-Erase-Stifte hatten und haben – sofern man den Farbton Non-Photo-Blue nutzt – eine intereassante Eigenschaft: Sie werden von den Reprokameras, mit denen die Zeichnungen für die weitere Reproduktion damals abgelichtet wurden, nicht aufgenommen.

Alle damit gezogenen Striche verschwanden schlicht. So fertigten die Künstler ihre Vorzeichnungen mit Col-Erase-Stiften, die anschließend geinkt – also mit Tusche „nachgezogen“ – wurden. Bei der folgenden Reproduktion blieben dann nur die Tuschelinien stehen und man konnte sich mühsame Radierarbeiten sparen.

Im Prinzip sehen die beiden Schritte – Vorzeichnung mit Col-Erase und geinkte Zeichnung – so aus:

Col-Erase-Zeichnung und anschließend geinkte Zeichnung.

Col-Erase in Zeiten des Computers

Nun gibt es keine Reprokameras mehr. Das ist jedoch nicht weiter tragisch. Der gleiche Effekt lässt sich mühelos mit Adobe Photoshop – ab Version CS3 bzw. Photoshop 10 – mittels der „Schwarzweiß“-Funktion erledigen. Und zwar folgendermaßen:

  • Die fertig getuschte Col-Erase-Zeichnung wird gescannt.
  • Anschließend werden die der Farbe des Col-Erase-Stiftes entsprechenden Farben in der „Schwarzweiß“-Palette aufs Maximum hochgezogen. Die Palette findet sich in Photoshop CS3 unter „Bild“ und dort unter „Anpassungen“ bzw. in Photoshop CS5 unter „Korrekturen“. Wie von Zauberhand verschwinden dann auch hier die Vorzeichnungen.
  • Anschließend noch mittels „Tonwertkorrektur“ oder „Gradationskurven“ die Linienkontraste angehoben und fertig. Hier habe ich die besten Erfahrungen gemacht, in dem ich sowohl den Schwarz- als auch Weißwert jeweils an ihre entsprechenden Grenzen gezogen habe und anschließend über den Gamma-Wert die Strickstärke austariert habe. Folgendes Video zeigt die Schritte im Überblick:

Dabei spielt die Farbe der Stifte im Prinzip keine wirkliche Rolle. Die klassischen „Non-Photo-Blue“-Stifte haben sich für mich nicht geeignet, da deren Strich einfach zu hell ist und sich gegenüber dem Papier kaum abheben. Die besten Erfahrungen habe ich mit dem Farbton „Light Blue“ gemacht. Der steht gut genug gegen des Papier und ist aber noch hell genug, um dem späteren Strich per Tusche beim Inken nicht „im Weg“ zu stehen.

Die Nachteile

Was so einfach ist muss auch Nachteile haben. Und die sehen so aus:

Da zur Entfernung der Col-Erase-Linien die Zeichnug erst gescannt werden muss, kann diese dann nur noch per Computer koloriert werden. Eine klassische Kolorierung über z. B. Aquarell fällt in jedem Fall raus. Zum einen, weil die Stifte nicht wasserfest sind und so das blau sich mit den Farben mischen würde, zum anderen, weil beim möglichen anschließenden herausfiltern der Striche auch die Kolorierungen in Mitleidenschaft gezogen würden.

Danke, Joscha Sauer. Oder: Wo bekommt man Col-Erase in Deutschland?

Das es Col-Erase-Stifte gibt, wusste ich schon lange. Ebenso lange hatte ich aber keine Bezugsquelle außerhalb der USA aufgetan. Bis ich mal auf Facebook drüber plauderte. Da bot mir Joscha „Nichtlustig“ Sauer tatsächlich an, dass ich seine alten Bestände aus den 90ern gerne haben könne. Er bräuchte die nicht mehr. Auf der Buchmesse Leipzig 2010 hat er mir die dann überreicht. So bin ich Joscha nicht nur sehr dankbar (Danke, Joscha!), da er damit geholfen hat, meine Art zu zeichnen buchstäblich zu revolutionieren, sondern so atmen auch alle Zeichnungen, die von April 2010 bis heute – Anfang 2011 – entstanden sind irgendwie ein bisschen auch den Geist von Joscha Sauer. Das ist doch was.

Leider haben die Stifte von Joscha aber soviel Spaß gemacht, dass Sie nach nur 9 Monaten aufgebraucht waren – obwohl es echt eine ganze Menge waren. Zu ihrem Ende hin wurde ich dann schon unruhig. Was, wenn alle Stifte auf Daumenlänge runtergespitzt sind? Womit sollte ich zeichnen?

Prismacolor Col-Erase bei farbstifte.net

Ein erneuter Zufall – denn eigentlich suchte ich Bristolkarton – brachte mich dann eines Abends auf den kleinen aber feinen Online-Shop farbstifte.net von Anja Fuhrbach. Dort werden – neben erstklassigem Papier – eben auch „Col-Erase“-Stifte online verkauft. Dabei ist zu beachten, das Col-Erase lediglich die Marke ist. Waren die Stifte von Joscha noch von Faber-Castell, sind die aktuellen von Prismacolor.

Eine erste Bestellung ist kürzlich angekommen und so kann es munter weitergehen am Zeichentisch.

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