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Willkommen zur Heldenreise – a.k.a. "Dein Leben"

26.04.2016

Weil es im letzten Beitrag schon darum ging, die Frage: Kennt ihr  eigentlich die Heldenreise? Die Heldenreise ist – kurz gesagt – eine Grundstruktur, der eine Vielzahl, vor allem sehr erfolgreicher, Filme und Bücher folgen. (Wikipedia ist Dein Freund).

Angefangen bei klassischem Material aus der Antike bis hin zu Star Wars und Harry Potter – die Heldenreise ist als Konzept allgegenwärtig. Und da auch ich eben Storyteller bin – von Poetry Slam bis ONE., aber auch im Marketing und UX – bin ich nicht nur zu irgendeinem Zeitpunkt auf dieses Konzept gestoßen, sondern habe mich auch damit weitergehend beschäftig. Wer das auch will, dem sei das Buch Die Odyssee des Drehbuchschreibers von Christoph Vogler empfohlen. Das eigentliche Standard-Werk Heros in tausend Gestalten von Campbell hingegen musste ich leider dem Feuer überantworten. Das war so sperrig geschrieben, da war Occupy im Hirn. (Eventuell habe ich auch nur eine misslungene Übersetzung erwischt.) Jedenfalls: Die Heldenreise kann mehr als nur für das Storytelling herzuhalten. Sie kann auch das Leben an sich beschreiben.

Das geht so:

Sei Dein eigener Held oder Deine Heldin

Ein spannendes Element der Heldenreise sind die Archetypen. Das sind Grundmuster für Figuren in Geschichten. Der Held (Harry Potter, Luke Skywalker), der Mentor (Hagrid, Obi Wan) und so weiter. Eine schöne Übersicht findet sich hier im Blog filmschreiben. Aber genau so, wie wir die Skywalkers und Potters damit ausklamüseln können, macht es Sinn, sich auch mal die Menschen, Dinge und Prozesse um sich herum anzusehen um herauszufinden, welchen Teil der Heldenreise sie darstellen. Oder eben, welchen Archetyp sie verkörpern.

So hoffe ich, dass Du selbst der Held Deiner Heldenreise bist und der Mensch an Deiner Seite hoffentlich Dein Mentor. Deine beste Freundin oder Dein Kumpel auch, aber auch Trickster. Dein Chef vielleicht der Schatten und Deine schnatternde Verwandschaft die Herolde. Ganz sicher lässt sich das nicht immer definieren und ganz sicher tun wir vielen lieben Menschen Unrecht, sie in Schubladen zu stecken. Aber auch ganz sicher macht es Spaß, dieses Spiel zu spielen. Man kann das ja auch alles für sich behalten, in seinem kleinen Kämmerlein unter der Treppe.

ONE Markus Freise Storytelling

Flieh … äh: Flieg, Du Narr!

Und dann die Reise an sich: Steckst Du noch in der gewohnten Welt oder bist Du schon über die erste Schwelle und in der tiefsten Höhle? Gehörst Du zu den Glücklichen, die mit dem Elixizier nach Hause zurückgekehrt sind und wie Frodo vor der Hütte hocken?

Passend dazu, ein schönes Beispiel darüber, wie gut das manches mal aufeinander passt aus dem “Herr der Ringe”. Also: Du bist jetzt Frodo. (Sorry.)

Als Dein Gandalf (z. B. Mutti) Dir in der tiefsten Höhle beim Balrog zurief “Fly, you fools, fly!” meinte er nicht “Flieht, ihr Narren!”, sondern “Fliegt, ihr Narren (also: Vollpfosten)!”. Und im Subtext: “Ruft diese großen Adler und seid nicht so dämlich, den ganzen Weg bis nach Mordor zu laufen. Das ist nämlich viel(!) zu(!) gefährlich(!). Das war mein Plan, aber: Hey, ich falle gerade in den Höllenschlund. Musst schon alleine klarkommen, Hobbit.”

Naja. Manchmal muss man eben richtig zuhören. Manchmal sagt der Mentor dies, meint das und Du hörst, ach: irgendwas. Zum Glück ist der gute alte Graue dann selbst mit den Vögeln zum Schicksalsberg gekommen und hat Dir den Arsch gerettet, Halbling. Aber auf dem langen, steinigen Weg mit Orks und Krieg und Verderben hat Frodo sicherlich auch viel gelernt fürs Leben.

… musst Du gerade an die letzten Jahre denken?

Der Rest ist man selbst sein …

Natürlich sind das nur Geschichten und kann die Heldenreise Dir nicht den Arsch retten. Das musst Du schon selbst tun. Aber sie kann, wie gute Stories das eben können, Dir helfen, diese Story, die wir “Leben” nennen zu strukturien und ein wenig greifbarer zu machen. Denn die besten Geschichten schreibt nun mal das Leben. Mit allem, was wir aus Galaxien und Zauberwelten kennen. Abwesende Väter, lustige rothaarige Kumpels, die einen aufheitern wollen und einer Prinzessin – oder ein Prinz – oder irgendetwas, der/die/das nicht unbedingt gerettet werden will, aber muss.

Nur leider das alles mit viel mieser Altersvorsorge und Ziehen im Knie, aber ohne Laserschwert.

Also: Pack Deine Sachen, auf geht es.

Adventure awaits.

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