Instagram LinkedIn

Von Pinseln und Flamenco

01.12.2010

Wenn man zum Beispiel wie ich nicht tanzen kann, dann freut man sich schon wie ein Gänseblümchen in der Frühjahrssonne darüber, dass man bei einem Walzer dreimal die Füße richtig hintereinander bekommen hat. Sieht man dann aber jemanden Tango oder Salsa tanzen, schaut man beschämt in die Ecke und verwelkt wie eben jenes Gänseblümchen im Permafrost der eigenen Unfähigkeit.

Wenn man Comics zeichnet und letztlich zum Inken kommt, kann ähnliches geschehen. (Einwurf: „Inken“ bezeichnet das Nachzeichnen der Bleistift-Zeichnung mit Tusche.) Als ich mit Anfang Zwanzig meine ersten Gehversuche im Comic gemacht habe, hatte ich Zeit und Muße und es war ganz klar, dass wie die Profis mit Feder und Tusche geinkt wird. Darin war ich – das traue ich mich zu sagen – ganz passabel. Nun habe ich bekanntermaßen meine Comic-Zeichner-Karriere zu Gunsten einer Grafiker-Karriere zur Seite gelegt und einfach 10 Jahre praktisch nicht gezeichnet. Dann kam meine erste Tochter zur Welt, wollte bald ein Bild von Pippi Langstrumpf und Papa war wieder voll drauf. Da noch und wieder mit Tusche und Feder. Kurz drauf schenkt man mir aber ein Set Faber Castell ECCO Pigment Fineliner. Die nahm ich und zeichnete und fühlte mich wie der Walzer-Tänzer. Das war viel leichter und ging viel schneller. Okay, der Strich verliert Dynamik. Aber egal. Es genügte.

Voll angefixt stürzte ich mich wieder in die Zeichnerei. Das erste wirkliche Ergebnis war dann mein Buch. Kurz drauf folgte der Entschluss: Comic zeichnen! Und weil ich das immer mache, wenn ich was angehe, weil ich gelernt habe, dass das gut funktioniert, habe ich mich mit Sekundärliteratur eingedeckt. Das hätte ich nicht tun sollen. Denn in jedem Buch stand, dass das Inken mit Fineliner ein No-Go ist. Wenn überhaupt, inkt man mit Tusche und Feder. Wer aber richtig was auf sich hält, nimmt einen Pinsel und Tusche.

Da ich ja sowieso gerade viel Geld ausgab, kaufte ich mir also noch einen Pentel Brush Pen und dachte: Har! Jetzt kann es losgehen.

Schon einmal versucht mit einem Pinsel zu inken? Ist nicht so leicht. Ist wie eben noch Walzer und jetzt Flamenco-Ultra.

Aktuell entstehen meine Zeichnungen deshalb häufig aus einer Mischform aller drei Techniken. Erstes Inken mit Feder, Nachbessern mit Fineliner und eventuelle Akzente mit Pinsel – den aber noch sehr reduziert, weil eben Flamenco. Das funktioniert ganz gut. Aber es fühlt sich noch nicht so richtig richtig an.

Heute bin ich dann auf eine Website gestoßen, die mich in dem festen Willen zurücklässt, dass tatsächlich kein Weg am ausgeprägten Einsatz des Pinsels vorbeiführen wird – sicherlich in Kombination mit der Feder. Schaut man sich die Figur-Studien von Kyle T. Webster an sieht man nämlich, was für eine fantastische Dynamik in diesem Werkzeug liegt, die kein Fineliner, nicht einmal eine Feder erreichen kann. Das sind keine ausgefeilten Illustrationen. Das sind aufs Blatt getanzte Schmeicheleien fürs Auge. Kleine Meisterwerke der Impression.

Aber seht doch selbst:

Bilder vob Kyle T. Webster

Ist das nicht wundervoll? Was meint Ihr?

Mehr in seinem Blog „The Daily Figure“ oder zu kaufen auf zazzle.com.

More Blogposts:

Alleineurlaub. Der wunderschöne Ego-Trip.

Manchmal mache ich das, was ich mir vorgenommen hatte. Aber noch öfter „verlaufe“ ich mich dabei und komme an Orte, die ich so nicht erwartet hatte. Auch das gilt „tatsächlich“, aber auch „metaphorisch“. Ein klein wenig ähnelt das einem kreativen Prozess des Künstlers.

1 Jahr täglich Tagebuch schreiben – warum, wie und wann überhaupt!?

„F*ck you, Bonzo!“ Wie man aus quälenden Gedankenschleifen herauskommt (… oder gar nicht erst hinein.)

Jeder von uns hat quälende Ängste, die einen irrational und zu völlig unnötigen Zeitpunkten anspringen. Wie können wir lernen, sie gleichzeitig als Teil unseres Systems zu akzeptieren und dennoch von uns abzukoppeln? Darum geht es in diesem Blog-Post.

Wenn Meditation nichts für dich ist: Der Astrid Lindgren-Modus

Dieses kreative Paradoxon: Wenn man vor lauter Ideen nicht weiter weiß.

Kreative Menschen haben nie „keine Idee“ sondern meistens viel zu viele davon. Das kann lähmen. Was man dann tun kann in diesem Blog-Post.

Neu: Coaching für Deine, diese eine Idee

Ich habe lange überlegt, wie ich es nenne, diese neue Angebot. Ist das ein Sparing, ein Mentoring oder ein Coaching? Letztlich habe ich mich dann einfach für Coaching entschieden. Warum? Lies gerne weiter …

Mit Mikrourlauben den Gott der Kackscheiße besiegen

Ich habe die Pause neu erfunden. Ich nenne es Mikrourlaub. Was das ist und wie es Dir helfen kann erfährst Du in diesem Blogpost.

Wozu? Why? Mein „starkes Warum“.

Heute morgen war es ruhig in der Küche und ich hatte endlich Zeit, mich mit einer Frage zu beschäftigen, die mich seit einiger Zeit (mal wieder) umtreibt: Wozu? Why? Was ist das „starke Warum?“ in meinem Sein als Kreativunternehmer?

Großväterland Redux

Nebenbei und immer mal wieder arbeite ich an einer neuen Fassung unseres Comic-Projektes „Großväterland“. Hier die ersten Seiten der Storyline „Paul“.

Das Leben als Kreativunternehmer – zu Gast bei Vitali Brikmann

Ich durfte Gast sein im Podcast des Bielefelder Kreativen und Fotografen Vitali Brikmann. Wir reden über das Leben als Kreativunternehmer, die besten Frauen der Welt und wie man nicht zeichnen lernt.

ONE. Picture Stories – Die Vernissage am 02.02.20

ONE. – das sind eure Geschichten. Diese eine Songzeile, die dir nicht mehr aus dem Kopf geht. Dieses Lieblingsgedicht, das du mal geschrieben hast. Für die eine da. Den anderen. Dein Taufspruch.

Make it count.