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Über Selbstdisziplin und Odysseus

27.03.2013

“Selbstdisziplin” ist ja des Kreativen Feind. “Selbstdisziplin” klingt wie “Einzelhaft” oder “Strafarbeit”. Sexy ist das nicht.

Was jedoch noch weniger Sex hat, sind diese ganzen tollen Ideen, die im Prokrastinations-Orkus verenden. Dabei geht es nicht um Ideen, die einem zufliegen, und die dann ungehört wieder wegfliegen. Das geht gar nicht, dass ein Kreativer alle Ideen einfängt, gar umsetzt. Dazu muss erst die Zeitmachmaschine erfunden werden. Es geht um die ganzen angefangenen Projekte, die aus der Begeisterung der Idee an sich geboren werden und dann vergessen werden, weil die nächste Idee schon mit einem Strauß Blumen vor der Tür steht.

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Das gleiche Thema greift Scott H. Young in seinem Blogartikel “Tying Yourself to the Mast” auf. Und er hat eine einfache Lösung, die jahrtausende alt ist und die schon der tollkühne Odysseus zu nutzen wusste: Bind dich an etwas starrem Fest, wenn die Sirene (auch bekannt als “Facebook” und so) dir zuckersüße Lieder singen. Er schreibt das so (im Original englisch):

Was mich schließlich dazu brachte, etwas zu ändern, war die Erkenntnis, dass es mir nicht an guten Ideen mangelte – sondern die Fähigkeit, etwas zu einem Ergebnis zu bringen. Also änderte ich mein Ziel: Für mein nächstes Projekt setzte ich mir strenge Vorgaben und ich würde es beenden, gleich was passieren würde. […] Odysseus fesselte sich selbst an den Mast um dem Zauber der Sirenengesänge zu widerstehen. Mit dem Wissen, dass sie ihn ansonsten verführen würden, beschränkte er seine Möglichkeiten bereits im Vorfeld und verhinderte somit übereilte Entscheidungen. Wenn es dir selbst in der Vergangenheit schwer gefallen ist, etwas durchzuziehen, suche deinen eigenen Mast und binde dich daran fest, damit du auf gar keinen Fall aufgibst.

Prinzipiell haut das in die gleiche Kerbe, wie die Parkinsonschen Gesetze, die, vereinfacht gesagt, besagen, dass eine Aufgabe sich immer soviel Zeit nimmt wie sie hat. Meinen neuen Comic “Zauberspruch für Verwundete“, der am 15. April erscheint, habe ich zum Beispiel letztlich in 4 Wochen gezeichnet und koloriert. Ratet mal, wieviel Zeit mir der Verlag gegeben hatte? Richtig: Fünf Monate. Aber erst, als die Zeit so eng wurde, dass es keinen Ausweg mehr gab und die Sirenen alles hätten singen können, habe ich mich rangemacht.

Youngs Ansatz geht nun soweit, dass man den eigentlichen Zeitrahmen  und die Vorgaben schon bei Projektstart so eng setzt, dass man gar keine Chance für Prokrastination hat. Entweder, in dem man die eigentliche Ausführung des Projektes bewusst erst dann beginnt, wenn es kurz vor knapp ist, statt dauernd unter “Schuldgefühlen” die Aufgabe in der Todo-App täglich einen Tag weiterzuschieben. Oder aber man zieht die Deadline nach vorne und hängt direkt ein nächstes Projekt an,um zu verhindern, dass man die Deadline reißt.

Bis hierher ist das ganze auch erst einmal nur ein neuer Gedanke, mit dem man arbeiten kann.

Ich bin gespannt, was ihr dazu für eine Meinung habt. Gerne in den Kommentaren unter.

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