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Ehrgeiz ist ein Biest, dass dich liebkost und verschlingt.

18.03.2011

Gestern schlenderten Marc und ich über die Buchmesse in Leipzig und ließen Revue passieren, was für eine rasante Entwicklung Katze genommen hatte. Ein Jahr zuvor noch gab es von Katze lediglich ein paar armseelige Studien und als ich dort und dann mit Ralph Ruthe und Flix drüber geplaudert hatte und mich fühlte wie ein F-Jugend-Kicker, der mit José Mourinho über Fuball redet, war mir nicht annähernd in den Sinn gekommen, das Katze ein Jahr später mehr als 1.000 Fans auf Facebook haben würde. Oh ja. Nimmt man das und noch ein paar groß(!)artige Dinge hinzu, über die ich jetzt hier nicht reden kann und möchte, kann man sagen: Katze ist eine sagenhafte Erfolgsgeschichte, die in Zeitraffer erzählt wird. Alles geht sehr schnell.

Das wurde Marc und mir gestern bewusst. Völlig überwältigt von jüngsten Ereignissen flanierten wir durch die Messegänge. Die eigentlich angebrachte Euphorie wollte sich nicht einstellen. Stattdessen sprachen wir darüber, was noch besser gehen würde. Waren uns bald dann einig, wie unangebracht und undankbar dem Schicksal gegenüber es ist, ständig an seiner Arbeit zu zweifeln. Irgendwann müsse doch mal ein Punkt erreicht sein, an dem man sagen muss: „Boah! Ist das toll, was ich da gemacht habe. Boah! Jetzt bin ich aber zufrieden. Mehr will ich nicht.“

Geht nicht. Ist nicht drin. Künstler scheinen nicht zu befriedigende Narzissten zu sein. Abends im Hotel zum Beispiel habe ich einige Skizzen zu einem Motiv in mein Skizzenbuch gezeichnet, das mir seit Tagen nicht aus dem Kopf. Nach zwei Stunden habe ich das Skizzenbuch frustriert zugeklappt und war mir sicher: Das kriege ich nie hin. Mein innerer „Gefällt mir“-Button klemmte unreparierbar. Ich versuchte mich dann mit Fifa 11 zu beruhigen. Aber der F-Jugend-Kicker behielt die Oberhand. Entnervt schlief ich ab in die Dunkelheit.

Heute morgen dann durfte ich das Posting „Ambition“ des verehrten Jesper Ejsing lesen, in dem es genau darum geht, nie zufrieden zu sein:

What I am driving at is this: It is hard as hell when you are in it. When you are sketching and sketching and nothing you do has that effect in your brain where it suddenly feels like all the puzzle pieces you have been shuffling around for hours, days ( and in this case ) or even weeks, falls into place. “There, I nailed it!” I have had that feeling four times during these 2 weeks, and when I got back the next day, my enthusiasm had faded to a minimum and I saw every fault there was and lost all fire or lust to even start painting that mediocre sketch in front of me. Jesper Ejsing

Das bin ich und dieses elendige Motiv. Das ist Marc und ich und diese doofe Katze. Jespers Post ließ mich darüber nachdenken, was das ist, das einen Künstler zwischen seltener Euphorie und häufigem Frust schwanken lässt. Es heißt: Ehrgeiz. Es ist die Lust, die Sucht, etwas zu schaffen. Es ist der unzähmbare Wille, ein Bild, einen Text aufs Papier zu bringen, das und der keine Frage mehr offen lässt. Es ist so heftig, wenn es nicht klappt. Aber das geilste Gefühl, wenn es fließt … oder wie Jesper sagt:

Ambition is your own worst enemy. But I think it is the only reason that I haven’t dried out years ago. I am never satisfied. You should never be satisfied. It means there is no place else to go. Jesper Ejsing

Stifte raus. Weiter geht es.

Geil.

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