Lesen im Internet – wie man nicht untergeht vom

Lesen im Internet – wie man nicht untergeht

Früher, da gab es bei uns zu Hause im Haus immer allerlei Zeitungen und Zeitschriften. Von Omas BILD über Die Glocke bis manchmal den Stern oder das englische Computermagazin YourComputer. Ich habe die alle gelesen. Was nicht sehr aufwändig war. Weil jedes einzelne für sich in regelmäßig handhabbaren Abständen erschien, in denen man es vernünftig und konzentriert konsumieren konnte. Aber dennoch habe ich fast immer alles gelesen, was mir unter die Finger kam – auch, wenn es mich vermeintlich nicht interessierte.

Dann kam das Internet und ich habe das dort erst einmal genau so gemacht. Das hat nicht funktioniert.

Man kann nicht das ganze Internet lesen. Das ist zu groß.

Zudem ist es ja nicht so wie damals, als der Briefträger oder Oma einmal am Tag, in der Woche, im Monat die Zeitung oder das Magazin brachte. Das hatte man dann gelesen und dann hatte man erst einmal wieder Ruhe. Puste-und-zwar-Kuchen: Im Web klingeln die Texte bei einem Sturm wie Zeugen Jehovas auf Speed und schreien Dir ins Gesicht: Können wir mal über Gott, die Politik, Star Wars oder CSS sprechen? Jetzt? Sofort? Und dahinter steht eine lange Schlange von weiteren Artikeln und alle wollen was von einem und irgendwann will man die Tür zuschlagen. Aber das wäre ja auch sehr schade. Dann wird man ja dumm.

Lässt man die aber rein, fühlt sich der Kopf schnell an wie eine Pangasius-Zucht im Mekong-Delta. Dann wird man auch dumm.

Also muss man sich Werkzeuge an die Hand geben, dem ganzen Herr zu werden.

Hier ein Exkurs, wie ich das mache.

Sammeln von Beiträgen

Das Sammeln von Beiträge geschieht auf drei Wegen. Zum einen durch klassisches Surfen. Rein ins Internet, suchen, finden. Weiterklicken. Weiterfinden. So, wie das stöbern in der Bahnhofs-Buchhandlung. In dieser Zeit lese ich in der Regeln nicht wirklich, sondern nur quer. Stoße ich auf etwas, von dem ich glaube, dass es lesenswert ist, wird es erst einmal festgehalten. Dazu gleich mehr.

Ein weiterer Sammelbehälter ist mein RSS-Feed-Reader. Dort habe ich Blogs und Sites abonniert, die regelmäßig Artikel zu Themen liefern, die mich generell interessieren. Von Comic über Design bis Star Wars ist da alles dabei. Als Plattform nutze ich hier Feedly, das ich mobil auf iOS mit dem Reeder ergänze.

Dritter Sammelpunkt sind Social-Feeds auf Facebook und manchmal Twitter, in denen ich Link-Empfehlungen von mit mir vernetzten Menschen folge.

Dadurch entsteht ein Ansturm von Beiträgen, die kein Mensch mehr konsumieren kann. Also muss gefiltert werden.

Festhalten und filtern

Ob ich einen Beitrag später lesen möchte oder nicht entscheide ich volle Kanone aus dem Bauch heraus. Eher so: Erstmal festhalten, später noch einmal genau anschauen. Wegwerfen kann man immer nur einmal. Das mache ich nun seit einiger Zeit mit der Leseliste in Apples Safari-Browser. Artikel gefunden, Aha-Erlebnis erkannt, Shift-Propeller-D gedrückt.

Schon ist der Artikel in der Liste, die ich ebenfalls über Safari auf dem Laptop oder per iPhone und iPad jederzeit dank iCloud aufrufen kann. Das ist so schlicht wie einfach gelöst. Ohne Schnickes und Sternchen und so. Einfach funktionabel. Toll.

Die Leseliste im aktuellen Safari von OS X.

Die Leseliste im aktuellen Safari von OS X.

Die Leseliste gehe ich dann regelmäßig durch, lösche das, was doch nicht interessant ist direkt, lese andere Artikel konkret an, manche direkt durch und die, die ich wirklich lesen WILL oder die ich vielleicht irgendwie verarbeiten möchte, die gehen dann in die nächste Stufe …

(Gibt es einen sehr wichtigen Artikel, den ich bald lesen MUSS, zum Beispiel aus beruflichen Gründen, schiebe ich ihn direkt in die Aufgabenverwaltung. Er wird dann zu einem echten ToDo. Das mache ich mittels GTD und über Things. Aber das werde ich hier nicht weiter erörtern.)

Lesen und Archivieren.

Wie geschrieben: Viele Artikel lese ich direkt aus der Leseliste heraus und dann weg damit. Längere Artikel oder Artikel mit denen ich mich intensiver beschäftigen möchte, schiebe ich jedoch noch eine Ebene weiter in Pocket. Pocket ist eines von zahlreichen “Read it Later”-Werkzeugen, die dafür sorgen, dass die Artikel aus dem Netz heruntergeladen, von unnötigem Ballast wie Design und Werbung befreit werden und dann offline in guter Typographie lesbar zur Verfügung stehen.  Zudem stehen auch hier mobile Clients zu Verfügung, die sich über die Cloud synchronisieren, um unterwegs lesen zu können, was einen wirklich interessiert.

Bildschirmfoto 2013-10-19 um 09.21.42

Das sind Dinge, die von der Leseliste in Safari in Verbindung mit dem Reader-Modus schon erledigt werden können. Aber mein dreistufiges System sorgt eben dafür, dass die Leseliste nicht vollläuft und sich mit Fundstücken und tatsächlich lesenswerten Artikeln vermengt. Ich will den Überblick behalten. Deshalb.

Ist ein Artikel nicht nur wirklich gut, sondern soll für später archiviert werden, weil er Referenzmaterial enthält oder drüber geblogged werden könnte, packe ich ihn entweder in meinen “Zoo” oder mache darauf wieder ein ToDo zur Weiterverarbeitung.

Am “Ende des Tages” habe ich bei konsequenter Nutzung dieser Methode eine Ordnung, die beherrschbar ist und die mir Denk-Kapazitäten freischaufelt, damit ich wirklich ans Lesen und nicht nur ans Sammeln komme.

Alles andere ist hektisches Blättern in Magazinen im Wartezimmer beim Nervenarzt, den man sonst irgendwann besuchen wird.

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