Wenn man es erklären muss, ist es nicht “useable” vom

Wenn man es erklären muss, ist es nicht “useable”

Kürzlich erschien im großartigen Online-Web-Design-Magazin “Smashing Magazine” der Artikel “C-Swipe: An Ergonomic Solution To Navigation Fragmentation On Android“, in dem ein neues Navigationskonzept erläutert wurde:

Im Detail geht es darum, dass es wohl über 3000 (Oh Gott!) verschiedene Android-Geräte gibt und irgendwie braucht man dafür ja ein einheitliches Navigationssystem. Eine oben im Display angebrachte Leiste mit Buttons scheint dem Autor nicht sinnvoll, da sie im Zweifel auf Geräten mit kleinen Displays unnötig Platz wegnimmt.

Steigt man tiefer in die Marterie ein, stecken hinter dieser Argumentation zwei Aspekte:

Das erste ist ein wesentliches Problem, nämlich, dass es wohl den Anspruch gibt, eine Software oder Website muss auf jedem Gerät dieser Welt aus sich heraus anwendbar sein. Das ist schon der erste Fehler. Tatsache ist, dass ein 9 Zoll Tablett mit hochauflösendem Display, wie z. B. Apple Geräte mit Retina, ganz andere Voraussetzungen bietet, als ein kleines Android-basiertes Wegwerf-Telefon mit 4 Zoll-Display. Das alles unter einen Hut zu bringen, ist als würde man versuchen einen Kindergeburtstag für ein sechsjähriges Kind gleichzeitig mit einer Beerdigung der Lieblingsoma zu feiern.

C-Swipe to the rescue?

Was jedoch bei der Lektüre des Artikels noch deutlicher aufstößt, ist ein dort neu vorgestelltes Navigationskonzept, dass sich “C-Swipe” nennt.

Beim “C-Swipe” geht es darum, die oben beschriebene Button-Leiste ganz aus dem Display zu entfernen und durch ein Navigationselement zu ersetzen, dass erst dann erscheint, wenn man auf dem Display eine C-förmige Wischgeste macht.

Das hört sich für den Durchschnitts-Nerd toll an und ist clever gelöst, ist aber nüchtern betrachtet völliger Blödsinn.

Deshalb:

Als Apple 2007 das iPhone und damit das erste Gerät mit einem Touch-Display vorstellte, so wie wir heute Touch-Displays verstehen, war die Idee, dass wir im Instinkt verankerte Muster mittels Touch auf die Bedienung anwenden. Eine Liste nach oben scrollen? Dann schubsen wir sie doch raus. Ein Bild bewegen? Anfassen, wegschieben. Umfangreiche Feldversuche mit meinen Töchtern haben ergeben: Das versteht ein Kleinkind, bevor “Sendung mit der Maus” überhaupt angefangen hat. Das liegt eben daran, dass es sich mit in der “DNA” verankerten Mustern deckt und somit eine intuitive Nutzung stattfindet.

Denken wir uns nun, nur weil wir es können, neue Wischgesten aus, die es noch nicht gibt und die sich nicht aus sich heraus erschließen, müssen zwei Dinge gelten:

Damit dürfen keine Funktionen aufgerufen werden, die essentiell für die Nutzung sind. Das “Pinchen” bzw. “Zoomen” oder “Drehen” mit zwei Fingern, dass 2007 ebenfalls Einzug gehalten hat und erst dann schlüssig erscheint, wenn man es uns gesagt hat, hindern aber nicht daran, iPhone und Co. zu 99% zu nutzen. Uns bleiben ggf. einige Zusatzfunktionen verborgen, die wir aber nicht wirklich vermissen. Als Bonus erscheinen sie jedoch, sobald wir sie kennen, logisch. Selbst das bleibt unserem Freund, der C-Geste, verwehrt.

Versteckt sich hinter der Geste zudem etwas so wichtiges, wie das eigentliche Hauptmenü der Anwendung, wird der Nutzer schnell an Grenzen stoßen, die ihm die Nutzung der Software oder Website unmöglich machen. Er hält sie für funktionsarm. Und deshalb wird er sie nicht kaufen, den Online-Shop tatenlos schließen oder Sie nicht anrufen, um einen Auftrag zu platzieren. Da geht er lieber zum Wettbewerb mit der langeweiligen Button-Leiste mit den viereckigen Knöpfen “Warenkorb” und “Zur Kasse”. Das ist, als würde man das Zündschloss eines Autos ins Handschuhfach machen, damit man kein Loch ins Armaturenbrett bohren muss.

Natürlich kann man, wie im Artikel erläutert, das Ganze auch kurz erklären und vielleicht funktioniert das auch für einige Anwendungen, bei denen der Nutzer bereit ist, sich mit der Bedienung auseinanderzusetzen. Aber Tatsache bleibt: Umso intuitiver die Bedienung von etwas ist, umso mehr Freude hat der Nutzer , umso schneller kann er oder sie mit dem beginnen, wozu der Besuch gestartet wurde und umso größer wird die Conversion-Rate sein. Also die Erzielung des eigentlichen Zwecks: Kontaktaufnahme, Einkauf, Empfehlung usw.

Das Fazit muss also sein: Gute Usability ist nicht die intelligenteste, sondern die einfachste Lösung. Und das ist eben manchmal dann doch ein schnöder Button, der so aussieht, als wäre immer noch 1999. Langweilig, aber zielführend.

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