Warum ich keinen Kindle kaufe. vom

Warum ich keinen Kindle kaufe.

Kürzlich fragte ich auf Facebook nach guten Gründen mir einen Kindle 4 zu kaufen. Dort ergaben sich dann in einer Diskussion der „Wider“ und „Für“ inkl. der von mir bereits selbst erarbeiteten Punkte folgende Argumente für einen Kindle:

  • immer und überall Bücher lesen
  • keine schweren Bücher mehr mit sich herumschleppen
  • dank eInk deutlich bessere Lesbarkeit als auf einem iPad
  • schöner Formfaktor
  • gute Verarbeitung in sowohl Hard- als auch Software
  • ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis

Das war alles so überzeugend, dass ich gute zwei Stunden nach meinem Posting einen Kindle bei Amazon im Warenkorb liegen hatte und ihn … nicht bestellt habe. Etwas hielt mich zurück; ich beschloss, das Abends zu machen. Dann machte mich eine Freundin drauf aufmerksam, dass wir ja zwei Tage später bei ihnen zum Frühstück eingeladen wären und ihr Lebensgefährte einen Kindle hätte, den ich mir ja mal anschauen könnte. So versenkte sie meinen Kaufimpuls erst einmal.

Ich schaute mir den Kindle dann am besagten Sonntag zwischen Milchkaffee und Nutellabrötchern erst einmal an. Mehr noch, ich habe ihn mir ausgeliehen, um ihn auf Herz und Nieren zu testen. Dabei ging es mir weniger um die Argumente oben, die hatte ich schon bei vorherigen Kurztests im Kaufhaus ausgemacht, und den Kindle als ein wirklich wundervolles Stück Technik klassifiziert, dass man besitzen möchte. Im Wesentlichen ging es mir nun deshalb nur noch darum, herauszufinden inwiefern der Kindle als Lesegerät neben im Amazon-Store gekauften Büchern für vor allem Inhalte aus dem Web geeignet wäre – meiner eigentliche Lesequelle.

Amazon als Lesegerät für Instapaper und Pocket (Read it Later)

Denn Tatsache ist: Ein wirklicher Bücherwurm bin ich nicht, aber im Web, da lese ich sehr viel. Von Klatsch bis Fachartikel über Programmierung. Um Inhalte aus dem Web während des Surfens als „das will ich noch lesen“ zu markieren nutze ich seit jeher Instapaper und seit kurzem Pocket (ehem. Read it later). Das sieht spitze aus und funktioniert super, werden doch die zu lesenden Texte nicht nur zentral in meinem Account gespeichert, sondern auch von allem Layout- und Werbebalast befreit.

Kurzer Einwurf: Ich erwähne hier beide Services – Instapaper und Pocket – da ich aktuell von Instapaper zu Pocket wechsele, so dass ich beide noch in Gebrauch habe und im Rahmen der Kindle-Recherche beiden eine Chance geben wollte. Unterm Strich habe ich mich aber fürs Erste für Pocket entschieden, da hier gerade ein Relaunch stattgefunden hat, der impliziert, dass die Zukunft für Pocket eine bessere ist. Instapaper hat zwar weiterhin den Charme der „One-Man-Show“ und die Arbeit von Marco Arment gehört eigentlich unterstützt. Aber unterm Strich zählt für mich hier die Usability vor irgendeiner Nerd-Nostalgie.

Hier das offizielle Promo-Video von Pocket:

http://www.youtube.com/watch?v=205gjDFTC9w

Irgendwie hatte ich dann in Erinnerung, dass es für einen, wenn nicht beide Services, eine Anbindung an den Kindle gibt. Das wäre für mich das endgültige Argument für einen Kindle: Inhalte aus dem Web augenfreundlich und papierähnlich auf einem eInk-Display lesen.

Und genau das habe ich ausprobiert, die Synchronisation von Instapaper bzw. Pocket mit dem Kindle. Machen wir es kurz: Es war ernüchternd. Das, was ich gefunden habe und so wie das funktionierte, war das nicht viel mehr als ein „Proof of Concept“. Man musste beispielsweise die Instapaper-Website mit dem fürchterlichen Web-Browser des Kindle ansurfen und dort einen bestimmten Link anklicken – was mit dem Browser inkl. Steuerkreuzsteuerung ein Graus ist – woraufhin einem dann gar die aktuelle Leseliste lediglich als schnödes und nicht einmal schön gesetztes eBook auf das Gerät heruntergeladen wird. Schlechte Lesbarkeit durch lieblose Typographie, keine Interaktivität, kein Organisieren der Leseliste … alle Vorteile des Services und der dafür zur Verfügung stehenden wundervollen iOS-Apps gehen verloren.

In all dieser Kritik muss ich aber Marco Arment, den Mann hinter Instapaper, über den Klee loben: Dass die Bedienung des Amazon/Instapaper-Syncs so umständlich ist, liegt nicht an einer schlechten Umsetzung. Ich weiß genug über das Web und ePub um zu wissen, dass im gegebenen Rahmen die Lösung von Arment große Klasse ist. Nur leider bin ich da versaut. Ich habe mich so sehr an gute Touch-Interfaces gewöhnt, dass ich so ein einfaches Hypertext-Interface nicht mehr leiden mag.


Instapaper auf dem Amazon Kindle 4
Was hier für Instapaper gilt, gilt auch für Pocket, nur dass es dort noch komplizierter war, und wenn ich das richtig gesehen habe, sogar kostenpflichtig ist – das wäre eigentlich kein Problem, bin ich doch seit jeher willig, Leistung auch zu bezahlen. Es ist aber eine Hürde, die sonst nicht da ist und impliziert, das vermutlich ein zweiter Dienst meinen Lesestream filtert. Ich bin nicht paranoid, aber auch das will ich nicht.

Ich habe den Kindle dann weggelegt und mir dann auch kurz den auf Android basierenden Sony-eBook-Reader angeschaut. Denn auch für Android gibt es die Apps von Instapaper und Pocket. Der Sony Reader ist sogar noch schöner als der Kindle und auch technologisch in einigen Punkten vorn. Aber leider ist der nicht nur teurer als der Kindle, sondern den muss man erstmal hacken, um die Android-Apps von Instapaper und Pocket zu installieren, und die laufen dann – so denn die Infos im Web korrekt sind – nicht einmal wirklich sauber, da das Android auf dem Sony Reader ja mal wieder gepimpt ist. Das ist mir auch zu doof irgendwie, da bin ich Apple-Nutzer. Ich will nicht hacken, ich will benutzen.

Fazit

Das war mir dann insgesamt – von Kindle bis Sony – alles zu nerdy und umständlich und die Nachteile überwogen die Vorteile, so dass ich beschloss, Bücher weiterhin als Papier zu lesen. Denn als reines Buchlesegerät brauche ich keinen Kindle. Dafür lese ich einfach zu wenig Bücher. Ich lese einfach viel, viel mehr im Netz. Und dafür hätte ich gerne ein gutes Lesegerät mit einem für die beiden Services angepasstes Interface gehabt. So werde ich nun meine Leselisten weiter mittels iPhone, iPad und Macbook Air abarbeiten. Denn soviel schlimmer ist das lesen von kurzen bis mittleren Artikeln auf den Geräte nun auch nicht … oder wenn es ganz verrückt wird, bestimmte Artikel einfach ausdrucken und im Zug lesen.

Oder hat jemand eine bessere Idee?

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