Wird Herta Müller uns alle retten? Nö. vom

Wird Herta Müller uns alle retten? Nö.

Mir fallen echt mittlerweile ein Dutzend anderer Autoren ein, die vermutlich einen zehnfachereen Einschlag auf die Gesellschaft gehabt haben, als die nun für ihr (vermutlich) weitgehend unbekanntes Werk geehrte Herta Müller.

Irgendwie zeigt die Entscheidung der Schweden leider einmal mehr, dass die Hochkultur mittlerweile so abgehoben, dass sie längst gar aus dem Blickfeld des gehobenen Bürgertums verschwunden ist. Frühere Preisträger wie Böll, Brecht, meinetwegen sogar Grass, die hatten noch irgendeinen Bezug zu der Gesellschaft, in und über die sie schrieben. Schlicht gesagt: Die kannte man. Bei der lieben Frau Müller sehe ich jedoch allerorten nur Stirnrunzlen und ratlose Blicke, wer das nun ist und wie man dafür einen Erfolg für die deutsche Literaturszene machen soll.

Nun könnte man einwenden, dass es dem Herrn Nobel weniger um das literarische Werk als vielmehr um die gesellschaftliche Bedeutung des Preisträgers ging (alleine das ist so unfassbar absurd). Wenn also unsere geliebte Lehrerin Frau Wikipedia mit folgendem Recht hat:

Dabei wird gerne übersehen, dass Nobel die Jury im Testament ausdrücklich auf den Idealismus des Autors bzw. seines Werkes verpflichtete.

Wenn das so ist, dann kann ich den Literaturnobelpreis sowieso nicht akzeptieren, wenn ich weiß, dass eine Astrid Lindgren ihn – obwohl gar mehrfach nominiert – nie bekommen hat. Denn wer sich einmal mit dem Leben von „Astrid“ beschäftigt hat, der weiß: Eine idealistischere Schwedin hat es in den letzten 1000 Jahren nicht gegeben. Nicht nur, weil sie sich immer für die Belange der Kinder einsetzen, sondern auch, weil sie ihre immense Popularität in ihrem Heimatland und darüber hinaus nutzte, um sich für Frieden, Tierschutz und Umwelt zu engagieren.

Lindgren_1960

Astrid Lindgren, 1960

An dieser Stelle möchte ich einmal auf die wundervolle Rede verweisen, die Astrid Lindgren anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels gehalten hat.Das ist für mich soziales Engagement dass dort ankommt, wo es hingehört: In die breite Gesellschaft.

Ja. Der Literaturnobelpreis hat durch die Verleihung an jemanden, die gesellschaftlich bislang keine Rolle gespielt hat und die wohl auch danach in den staubigen Kuschelecken der intellektuellen Ultras verschwinden wird, einmal mehr seine tatsächliche Bedeutungslosigkeit bewiesen.

Oder wie FinnVonDue auf Twitter schreibt:

finnvondue

Bildquelle: Wikimedia Commons

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