10 Jahre dieses Liebeslied für die eine vom

10 Jahre dieses Liebeslied für die eine

Beim Slam 2007 in Berlin stand im Finale die Poetin Pauline Füg auf der Bühne und trug ihr Stück „Zauberspruch für Verwundete“ auf. Das war einer dieser punktsymetrischen Augenblicke meines Lebens. Nur wusste ich das da noch nicht.

Nie zuvor und nie danach hat mich ein Auftritt so berührt wie dieser. (Das Video ist ein anderer Auftritt aus 2014). Und kein anderer Slam-Text hat mich mehr inspiriert als der „Zauberspruch“.

10 Jahre danach kann ich das mit Sicherheit so schreiben.

Von meinen Verwundungen und dem Heilwerden

Wie das mit der Inspiration so ist, wenn sie sehr intensiv und gut ist, floss in den Wochen drauf ein Text aus meinen Fingern über meine Tastatur in irgendein Textprogramm, wie ich noch keinen geschrieben hatte. Mein „Liebeslied“, meine „Liebeserklärung an drei Frauen. Aber dann doch nur für die eine. Damit die eine weiß, weshalb sie die eine ist.“

Ich weiß nicht mehr, wie er konkret entstanden ist. In den vielen Morgenstunden, alleine in der Küche, in einem kreativen Flow wie er sein muss, war er einfach so da. Zeile für Zeile. Ich kann das nicht erklären. Ihr wisst schon.

Die Premiere hatte er in einem VHS-Workshop, den ich damals zusammen mit Marc-Oliver Schuster hier in Bielefeld hielt. Ich stand in einem kleinen Raum, auf einem üseligen Tisch inmitten von Fremden. So wie Slam sein sollte. Und las diesen Text zum ersten Mal laut. Es sind diese Momente, in denen etwas in dir zuckt und entzückt und du weißt, dass du nicht nur vielleicht, sondern ganz sicher etwas Großartiges erschaffen hast. Für dich. Wenn du da etwas hast, das dir genügt und du weißt, dass das genügt. Dieses Gefühl.

Dann: Sarah Kuttner in Hannover

Einige Monate später, im Februar 2008, hatten mich dann Jan-Egge Seddelies und Henning Chadde, die Macher des „Macht Worte!“-Slams Hannover, zu einem Special in die Faust geladen. Zur Aufzeichnung der TV-Sendung „Slam-Tour mit Kuttner“. Natürlich hätte ich dort irgendeinen meiner damals etablierten Slam-Texte vortragen können. Aber ich entschied, etwas Neues zu wagen.

Nicht nur, das „Liebeslied“ zum ersten Mal vor einem tatsächlichen Publikum vorzutragen. Sondern auswendig. Eigentlich war und bin ich einer dieser Autoren, die ablesen. Aber dies war ein Text, der musste auswendig raus.

So machte ich eine Aufnahme und ließ die immer wieder hoch und runter laufen. Einfach so. Aus dem iPhone. Oder viele male von CD, auf meinem damaligen Arbeitsweg nach und von Paderborn. Stoppte die, rezitierte meine eigenen Worte, verhaspelte mich und lernte. Lernte, so lange und so oft, bis jede Zeile saß.

Und dann fuhr ich nach Hannover.

Dort geschah dieses hier:

Was man auf dem Video nicht sieht ist, dass ich nach diesen Minuten völlig leergepumpt war. Ich verließ fluchtartig die Bühne, rannte zur Theke und kippte direkt zwei Tequila herunter. Hätte mich in dem Moment jemand angesprochen, ich hätte ihn oder sie ins Gesicht geschlagen. So alle und kaputt war ich. Dies war mein Moment. In mir implodierte alles.

Hatte ich schon von punktsymetrischen Augenglicken erzählt, von denen aus betrachtet es nur ein davor und ein danach gibt und kein „Wir schauen mal.“?

Dies war so einer. Dies war nicht nur mein vorläufiger, sondern mein absoluter emotionaler Höhepunkt meiner gesamten aktiven Slam-Zeit. Nein, ich habe den Slam an diesem Abend nicht gewonnen. Keine Trophäe mit nach Hause genommen. Nicht einmal den üblichen billigen Fusel. Nur die unbändige Gewissheit, dass dies der Text war, der all die Jahre in mir war und nun draußen herumtobte.

Endlich.

Danke dafür, Steffi.

Punkt.

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