Woody Allen to the Rescuetime: Ein überragendes Fazit der Facebook-Auszeit in Zahlen vom

Woody Allen to the Rescuetime: Ein überragendes Fazit der Facebook-Auszeit in Zahlen

Heute, am 31.1.2015, ist der offiziell letzte Tag der am 9. Januar eingeläuteten Facebook-Auszeit. Dabei waren sowohl Zeitpunkt als auch Dauer voll aus der Hüfte geschossen. Warum und weshalb ich fluchtartig meine Timeline hinter mir ließ, lässt sich im Artikel Facebook, Zigaretten und die Unendlichkeit der Stadtbibliothek nachlesen.

Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen …

In kurz: Es ist unfassbar. Natürlich ist ein so knapper Zeitraum von drei Wochen kein empirischer Beweis für einen Zusammenhang der Dinge, die ich in diesem getan habe, mit der Tatsache, mal dem Chit-Chat bei Facebook zu entsagen. Aber in dieser Zeit habe ich sehr viel sehr gute Artikel – on- und offline – gelesen. Ein paar schöne Stunden mit „Mr. Mercedes“ von Stephen King verbracht. Ich habe Sport gemacht. Und Qualitäts-Zeit für meine Lieben ohne Ablenkung durch die digitale Meute ist wohl das Sahnehäubchen.

Fun-Fact: Von der AGB-Hysterie rund um Facebook habe ich beim Spaziergang durch meine Liebste erfahren und dann einen Artikel in der Tageszeitung drüber gelesen. Gefühlt mit 72 Stunden Verspätung. Ich habe mich damit genau 10 Minuten beschäftigt, kurz drüber nachgedacht und fertig. Kein Status-Meldung-Ping-Pong zwischen Hysterikern und Phlegmatikern. Nicht eine einzige Ich widerspreche-Schwachsinns-Grafik. Nichts. Nada. Stattdessen: Relevanz!

Rescuetime to the rescue

Das alles sind natürlich erst einmal gefühlt, nicht messbare Größen. Anders sieht das dann mit meiner Arbeit aus. Seit ca. 2 Jahren logge ich meine Computernutzung mittels des Dienstes Rescuetime mit. Dieser speichert – Datenschutz-Hysteriker hören hier auf zu lesen und bauen Grafiken (s.o.) – welche Software ich wie lange nutze und wieviel Zeit ich auf Websites verbringe. Diese einzelnen Dinge werden dann vom Nutzer kategorisiert und mit einer Produktivitäts-Wertigkeit von „Sehr ablenkend“ bis „Sehr produktiv“ versehen. Daraus errechnet sich dann ein relativer Produktivitätswert, der sogenannte Productivity Pulse Da ich die kostenlose Rescuetime-Version nutze, kann ich leider nur drei Monate zurückblicken. Aber für eine Tendenz ist das schon ausreichend. Die Ergebnisse sprechen für sich.

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Dies ist die Statistik für den Monat November, den ich im Vergleich zum Januar gewählt habe, da der Dezember durch die Weihnachtstage und den damit verbundenen Kurzurlaub weniger relevant schien.

Im November habe ich einen Productivity Pulse von 70%. Der ist damit 6% höher als mein bisheriger Schnitt von 64%, da vor Weihnachten oft noch mehr Arbeit auf den Tisch kommt, als in den sonstigen Monaten. Zudem wurden 216 Stunden gelogged. Davon habe ich 19%, also ca. 1,8 Stunden mit Social Networking verbracht. Und wie Rescue Time anmerkt: Dies ist der längste Monat, der jemals für mich gelogged wurde.

Übrigens: 64% wären laut üblicher Arbeits- und Produktivitätstheorie auch in Ordnung – wenn man nicht vergisst, dass diese 36% „Unproduktivität“ bei 216 Stunden Arbeitszeit 77 Stunden Lebenszeit wären. In der eigentlichen Produktiväts-Forschung geht man dazu noch davon aus, die übrigen 36% für Fortbildung und Human Ressources draufgehen – nicht für Katzenvideos und Buzzfeed. Produktivität bedeutet hier ganz brutal: Zeit, die man für berufliche Ziele einsetzt. Also würde Rescuetime hier 100% anzeigen müssen, da ja jegliche investierte Zeit unternehmerisch relevant wäre. Da mein Rechner aber eben auch abends für Netflix und sowas eingesetzt wird, müsste ich jedes Mal Rescuetime stoppen, sobald ich Feierabend mache oder Wochenende ist. Das ist mir jedoch zu mühselig.

Schauen wir uns aber einfach mal den Facebook-freien Januar im Vergleich zum November an.

Bildschirmfoto 2015-01-31 um 10.51.00

Hier steigt der Productivity Pulse um 8% auf 78% und damit sogar um 13% zum sonstigen Mittel. Was aber sofort auffällt ist, dass nur 206 Stunden gelogged wurden, ich also 10 Stunden weniger Zeit am Rechner verbracht habe. Was die Nutzung angeht, ist der offensichtlichste Unterschied zum November, dass der Punkt Social Networking in der Übersicht gar nicht auftaucht. Schauen wir uns dann noch die Anmerkung von Rescue Time an, dass der Januar der produktivste Monat ever war, wird alles zu Gold. Zudem gehen hier die fehlenden 22% tatsächlich zum großen Teil in Themen wie Fortbildung – soviel wie im Januar habe ich lange nicht gelernt.

Kurz noch ein paar Worte zur Wirtschaftlichkeit

Im Januar komme ich umsatzmäßig auf ein ungefähres Mittel zu den bisherigen Monaten meiner Freiberuflichkeit. Soweit normal. Dazu muss man wissen, dass der Januar sonst zu meinen wirtschaftlich schlechteren Monaten gehörte und dass diesmal ein relevanter Teil der Arbeitszeit für die Konzeption und Erstellung des „Making of“-Blogs unserer eigenen Website und den visuellen Relaunch unserer Marke Designbüro Freise investiert wurde.

(Zu beidem am kommenden Mittwoch mehr. Bis dahin müsst Ihr Euch noch mit der alten Website und dem bisherigen Logo abfinden. Wer den Launch nicht verpassen will, kann einfach bei Facebook Fan des Designbüro Freise werden. Da werden wir das natürlich in Breite featuren.)

Jedenfalls: Wenn ich die Arbeiten für uns selbst wie Kundenjobs budgetiere, wird aus dem Januar der mit Abstand erfolgreichste Monat des Freiberuflers Markus Freise ever – also seit Januar 2012. Und da fehlt sogar noch die Tatsache, dass zwei ordentlich budgetierte Jobs es ganz knapp nicht geschafft haben, im Januar fakturiert werden zu können.

Ein weiterer Effekt ist übrigens, dass ich die Besucherzahl in diesem, meinem persönlichen Blog im entsprechenden Zeitraum relativ zum Vergleichszeitraum ungefähr verdoppeln konnte. Was natürlich daran liegt, dass ich die Schreiberei von kurzen Brainfuck-Statusmeldungen hin zu längeren, relevanteren Blog-Postings verlagern konnte.

Haters gonna hate

Zyniker mögen nun sagen, dass Arbeit ja nicht alles ist und wer immer nur an Produktivität denkt, natürlich irgendwann ins Wunderland des Burnouts einzieht. Puste. Und zwar: Kuchen!

Wie ich oben bereits erwähnte, habe ich absolut weniger Zeit am Rechner und viel Zeit mit Dingen verbracht für die mir sonst die Muse fehlte. Lange Artikel lesen, neue Sachen lernen, Sport, Familie, Bücher, Entertainment, Zeichnen. Mein Atelier im Keller ist – dank Charles ZZZ Hacker Schwede – auch in der Mache. Im Übrigen alles Dinge, die das Ambrosia eines kreativen Geistes sind. Also auch Produktivitätsfördernd, wenn man so denken will. It’s all a circle.

Vorerst werde ich es aus allen diesen Gründen beim Lese-Embargo für Facebook belassen. Auf meiner Chronik werde ich weiterhin auf meine Blog-Postings hinweisen und darüberhinaus natürlich die Kanäle jenseits davon – Großväterland, ONE. etc. – bedienen. Wer mich nicht ganz vermissen will: Ich bin wieder etwas mehr bei Twitter unterwegs. Das ist wesentlich substantieller und rauschfreier als Facebook.

Natürlich ist das nicht das Ende der Fahnenstange. Facebook jetzt einfach sein zu lassen, wäre dumm. Dazu ist es als echtes Netzwerk-Tool viel zu wichtig. Denn wie sagte Woody Allen schon richtigerweise sinngemäß:

80% des Erfolges resultieren daraus, dass man präsent ist. frei nach Woody Allen

Die Frage ist nur, wie man das macht. Dazu dann in Bälde mehr – natürlich hier.

Ich freue mich auf Eure Meinungen und Fragen dazu. Gerne weiterhin hier in den Kommentare.

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